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Aufsätze

 

Training des Willens, des Willens von meinem "Ich"

Das Ich hat die Werkzeuge Körper und Geist. Beide haben ihre eigenen Bedürfnisse und ihren eigenen Willen. Das "ICH" (Seele) muss also die Abstimmung mit Körper und Geist herbeiführen,
was bei wiederkehrenden Aufgaben (Routine) vom Unterbewusstsein erledigt wird. Die Abstimmung dringt nicht ins Bewusstsein vor. Das ist das gefährliche an wiederkehrenden Aufgaben, sie werden zu Gewohnheiten, die nicht bewusst bezüglich ihrer Sinnhaftigkeit durch das Ich überprüft werden.
Dieses wäre nicht weiter schädlich, wenn meine Ziele und Bedürfnisse sich nie verändern würden.

Nur das ist bei mir nicht der Fall. Da ich der Herr meiner Welt sein muss, um meine Ziele zu erreichen, muss ich Herr über meinen Körper und meinen Geist sein und nicht etwa umgekehrt. Diese Macht über Körper und Geist hat natürlich seine Grenzen. Bei starker Überforderung wehren sich Körper und Geist mit Schmerzen. Diese sind durch das Ich nur begrenzt beeinflussbar. Nur darauf will ich hier nicht weiter eingehen. Zu diesem Thema gibt es für den interessierten Leser eine Menge Literatur. Mein Thema ist: Wie trainiere ich meinen Willen. Da die größte Herausforderung für mich mein Körper und mein Geist sind, sind sie die idealen Sparringspartner.

Es hat den weiteren Vorteil, dass ich keinen Schaden in der Außenwelt anrichte, darüber hinaus bekommt kein anderer mit, wenn ich mein Ziel nicht erreiche. Meinen Willen gegen Körper oder Geist nicht durchgesetzt zu haben kann zum Lernen genutzt werden, ohne das ich den Spott meiner Umwelt ertragen muss. Die Freude, mich scheitern zu sehen, muss ich ab und zu für mich allein behalten. Wie einen Muskel kann das Ich auch seinen Willen trainieren. Einen starken Willen erhalte ich nur durch tägliches Training. Welches sind jetzt die besten Herausforderungen,
an denen ich meinen Willen trainieren kann? Um dies herauszufinden brauche ich nur ab und zu nur zu überprüfen, ob mein Verhalten noch zweckdienlich ist, oder ob sich still und heimlich Schwächen eingeschlichen haben. Ganz abgesehen davon, dass sich mein Ziel auf Grund von neuen Erkenntnissen oder Bedürfnissen geändert hat. Ich will hier also nur auf den Bereich meiner Zielverfehlung eingehen. Diese geringen Veränderungen schleichen sich bei mir im Alltag schnell ein. Das gefährliche daran ist, dass sich kleine kaum merkliche Veränderungen einnisten, die auf Dauer eine erhebliche Zielverfehlung zur Folge haben.

 

Vielleicht kann ich das an einem kleinen Beispiel aus meinem Alltag verdeutlichen: Unser Körper ist ein Werkzeug, welches uns den besten Dienst leistet, wenn es regelmäßig genutzt wird. Da ich heute kaum noch körperlich arbeiten muss, (Gott sei dank) bleibt es meinem freien Willen überlassen, meinen Körper zu nutzen, damit er sich nicht zurückentwickelt oder verfettet. Da ich selbst lange mit 30 - 40 kg Übergewicht gelebt habe, weiß ich wovon ich rede.
Obwohl es meinem Wohlbefinden nicht diente, hatte mein Verstand (Geist) ausreichend Begründungen parat, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Einige davon waren:

- Ich bin geschäftlich momentan so sehr beansprucht, das ich das übermäßige Essen und Trinken
zur Stressbewältigung benötige
- Ich war als Kind schon pummelig, das ist vererbt
- Mein Körper wird das schon verkraften, es ist nur vorübergehend usw. usw.

Mir fallen immer super Gründe ein, mein falsches Verhalten vor mir zu rechtfertigen. Zudem war es viel leichter das Problem (Herausforderung) zu verdrängen, als dagegen anzugehen.
Mein Wille war einfach nicht stark genug. Erst durch einen Bluttest 1997 für eine Risikolebensversicherung (10J Laufzeit) wurde mir bewusst, wie sehr mein Körper bereits geschädigt war. An meinem erhöhten Beitrag von 210 Euro monatlich, gegenüber dem Standardbeitrag eines gesunden von 70 Euro, wurde deutlich, dass mein Risiko zu sterben in den nächsten 10 Jahren (ich war 40) dreimal so hoch war. Diese Risikobewertung ergab sich aus meinen Blutwerten. Von den ca. 20 Einzelwerten waren 8 mäßig und weitere 8 extrem hoch. Nur noch 4 Werte waren im
Lot. Obwohl ich allen Messwerten kritisch gegenüberstehe, da alle Körper unterschiedlich sind, bekam mein Glaubenssystem einen mächtigen Knacks. Abgesehen davon ließ meine angeborene Sparsamkeit eine solch unnötige Ausgabe auch nicht zu. Ich will aber hier auch nicht weiter ins Detail gehen, da es mir nur darauf ankommt, ein Beispiel aufzuzeigen, an dem ich meinen Willen trainieren konnte. Vielleicht ist dieses Beispiel schon viel zu schwer für den Anfang. Ich versuche es mit etwas leichterem:

Oft habe ich beim Pinkeln nicht immer präzise die Schüssel, sondern den Rand getroffen (technisch bedingte Streuung). Wenn es zu heftig ist, reinige ich den Rand notdürftig mit Toilettenpapier. Durch ein wenig Nachdenken kam ich zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, mich beim pinkeln hinzusetzen. Der geringe Mehraufwand wird von einer sauberen Toilette bei weitem übertroffen. Diese Erkenntnis versuche ich seit etwa zwei Jahren umzusetzen.

Anfangs war es jedes mal eine Überwindung. Mittlerweile bin ich einigermaßen konsequent. Wahrscheinlich trifft diese zugegebenermaßen kleine Schwäche nur auf mich zu. Aber als Beispiel sollte es genügen. Wir sehen also, dass wir mit jeder auch noch so kleinen Schwäche, die wir abbauen, unseren Willen trainieren. Der Spruch "Übung macht den Meister" gilt natürlich auch hier.

Um das Bisherige noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wir müssen unseren Willen trainieren, wenn er stark sein soll. Wir trainieren ihn am besten aus uns selbst (Körper u. Geist) heraus. Unsere kleinen Schwächen sind die idealen Herausforderungen. Für Fortgeschrittene bietet sich an: Heute lüge ich ein mal weniger als sonst, oder heute ärgere ich mich ein mal weniger über andere Leute.

 


 









 

 

 

 

 

 

 

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