Die-Freien.de

Aufsätze

 

Max Stirner und der freie Markt

Zwei Punkte, die mir an Stirners Philosophie auffielen, da sie mir nicht richtig erscheinen:

Die Aussage, dass sobald alle Menschen sich zum Einzigen entwickelt haben, der Kampf jeder gegen jeden ausbrechen muss. Diese Annahme macht nur Sinn, da er das Eigentum des anderen Ich nicht achten will. Warum eigentlich nicht? Warum muss ich den Anderen bestehlen wollen, nur weil ich ein Einziger bin? Gerade wegen meiner Einzigartigkeit habe ich es gar nicht nötig, einen anderen zu bestehlen. Sein Irrtum war wahrscheinlich, dass er keinerlei Wissen von wirtschaftlichen Zusammenhängen besaß, somit dem damaligen Irrglauben der Sozialisten anhing, dass ich nur etwas haben kann, wenn ich es dem Anderen stehle. Kein Gedanke ist unsinniger wie dieser. Verwerte ich mich als Freier auf einem freien Markt, so bedarf es nur eines geringen Aufwands, um meine notwendigen materiellen Bedürfnisse zu befriedigen, ein Stehlen ist überflüssig. Brauche ich nicht stehlen, kann ich das andere Ich und sein Eigentum (auch das materielle) achten. Gerade das Selbstverwerten auf der wirtschaftlichen Ebene macht mich unabhängig von Staat, Kirche und allen anderen Verbrechern. Erst mit meiner eigenökonomischen Basis habe ich die Voraussetzung, mich auch im Ideellen freizumachen und auszuleben. Mein Ich vollkommen auszuleben geht ohne Staat, Kirche und auch ohne den "Stirnerischen Verein".

Stirner meint, nur im Verein das Eigentum des anderen "Ich" achten zu können. Warum nur im Verein und nicht überall? Ich sehe keine Notwendigkeit eines Vereins oder Staates, wenn alle Einzigen sich an die Maxime halten: "Ich achte das andere ICH und sein Eigentum!" Da alle sich nicht daran halten werden, ist ein Schutz des Einzigen gegen innere und äußere Feinde (Innland und Ausland) notwendig. Dieser Schutz kann erst mal vom Staat, parallel dazu aber auch durch private Dienste erbracht werden. Gerade das Öffnen des Marktes für jeden Einzigen, solange er das andere "Ich" und sein Eigentum achtet, bietet die Möglichkeit, vielfältigste Angebote auf eigenes Risiko anzubieten. Erst die Möglichkeit, viele Varianten auszuprobieren, führt uns immer zu besseren Lösungen. Die Macht und Gewalt zu glorifizieren lag im Zeitgeist (Hegel), des weiteren hat die Ablehnung seiner Bewerbung zum Staatsdienst ihm seine Machtlosigkeit überdeutlich vor Augen geführt. Diese Machtlosigkeit durch wirtschaftlichen Erfolg, also wirtschaftliche Macht, zu kompensieren, scheiterte mit seinem Milchvertrieb kläglich. Untaugliche wirtschaftliche Theorien, auf nur zu einem geringen Teil freien Märkten, ließen ihn, die theoretische Freiheit des Einzigen deutlich vor Augen, trotzdem in der Realität scheitern.

Die Tragik Stirners ist bei vielen Theoretikern zu beobachten, die in der Praxis scheitern. Dieses tut seinen Erkenntnissen im Theoretischen, solange es nicht den wirtschaftlichen Bereich trifft, keinen Abbruch. Er war seiner Zeit weit voraus, ein logischer Gigant, der konsequent seine Gedanken zuende dachte, soweit ihm das halt möglich war. Hiermit wird der zweite Denkfehler deutlich, nämlich den Vorteil freier Einziger und ihr Eigentum auf freien Märkten nicht erkannt zu haben, sondern sich von sozialistischen Parolen verwirren zu lassen. Stirners Problem mit der Gewalt ist nur zu lösen durch eine Instanz, die beauftragt wird von den Einzelnen, das Eigentum und somit jeden Einzigen vor Übergriffen durch andere Ichs zu schützen, da nicht alle Ichs sich am Grundsatz "Jeder achte das andere Ich und sein Eigentum" halten können oder wollen.

Das Problem der aktuellen Besitzverhältnisse ist kein Problem, da sich auf offenen Märkten das Kapital immer zu dem hin verschiebt, der der Mehrheit der anderen Ichs am meisten dient. Es gibt kein Teilungsproblem bei einem freien Markt. Jeder Einzige steht grundsätzlich im Wettbewerb mit jedem anderen Anbieter und Nachfrager, Unternehmer und Konsument. Je freier der Einzige sich verwerten kann, um so höher oder schneller sind seine materiellen Bedürfnisse befriedigt. Wie die alten griechischen Philosophen bereits erkannten: "Das Nötigste ist mit geringem Aufwand zu beschaffen, nur das Überflüssige verlangt mehr."

Leider hat Stirner den Grundgedanken "Der Einzige und sein Eigentum" wobei es hier auf den Teil - sein Eigentum - ankommt, nicht zuende gedacht. Das Eigentum was er als Körper und Gedanken noch sauber dem Einzigen zuspricht, kann er nicht auf alles andere materielle und ideelle Eigentum erweitern, obwohl es so nahe liegt. Das Eigentum ist auch im wirtschaftlichen Bereich das Geheimnis des Erfolges. Dieses geschützte Eigentum entwickelt auf einem freien Markt seine gewaltig wohlstandsfördernde Kraft. Warum er diesen kleinen konsequenten, logischen Schritt nicht selbst getan hat, liegt wahrscheinlich an dem politischen Umfeld, sowie der Überbetonung von Bodenrente und Geldzins.

Wie die meisten Intellektuellen neigt er zum sozialistischen Gedankengut, da er aus eigener Erfahrung nicht weiß, dass Sozialismus und Kommunismus letztlich in den wirtschaftlichen Ruin führen. Der Ruin kommt, je konsequenter der Sozialismus umgesetzt wird. Der Sozialismus funktioniert anfänglich, indem ich dem Fleißigen, Erfolgreichen sein Eigentum stehle und es an die Faulen und Ängstlichen verteile. Die logische Folge ist: Der fleißige arbeitet weniger, wer lässt sich schon gerne bestehlen, der Faule fängt erst gar nicht an zu arbeiten. Auch hier wird der gute Gedanke "Helfen macht Spaß" dadurch versaut, dass nicht mehr der Einzige nach seinem Willen hilft, sondern sich selbsternannte Gutmenschen (Sozialisten) damit Macht und Pfründe sichern. Dies erreichen sie, indem sie den Einzigen bestehlen (um Geld und Freude) und damit das Helfen institutionalisieren.

Diese Schweinerei lässt sich am besten kaschieren, wenn ich ihr als Etikett "sozial" aufklebe. Das lobenswerte (soziale) Verhalten des Einzigen kehrt sich in sein Gegenteil. Sozial kann ich nur mit meinem Eigentum sein, mit dem Eigentum anderer ist es Diebstahl, wenn nicht Raub, da der Beraubte durch das Gesetz bedroht wird. Zahlt er keine Steuern, wird er zwangsweise, durch das Gesetz legitimiert, ausgeraubt. "Soziales Verhalten des Staates ist Raub am Bürger". Raub wird nicht dadurch besser, das er durch eine formale Wählermehrheit, vertreten durch das Parlament, sanktioniert wird. Raub ist und bleibt auch in Form von Zwangsabgaben (Steuern, Gebühren, Beiträge) Raub am Bürger.

Sollten diese Gedanken einmal veröffentlicht werden, so ist es für mich nur deswegen gefahrlos, da ich über kein pfändbares Eigentum mehr verfüge, sonst würde mir die ganze Macht des Staates in Form von Beamten und Angestellten mit dem Gesetz drohend entgegentreten. Frei bin ich in Deutschland nur, wenn ich pleite, unpfändbar bin. Hier schreibe ich übrigens wie meistens aus praktischer Erfahrung am eigenen Leib. Diese praktische Erfahrung fördert die Erkenntnis mehr wie 6 Semester Philosophie, da es die Wirklichkeit, meine Wirklichkeit ist.

 

 


 









 

 

 

 

 

 

 

(c) 2008 by www.Die-Freien.de & Jan-Simmerling.de