Aufsätze
Unvergleichliche Iche
Weist jeder dem Begriff "Mensch" gegenüber einen unbegriffenen Rest auf, so muss dieser bei Allen anders sein, sonst ginge auch er als gemeinsames Merkmal in den Begriff ein. Die einzige Gleichheit ist die, das alle Iche gleich sind. Nicht nur ungleich sind alle Iche, sondern völlig unvergleichbar miteinander. Denn da alle Iche als Körper völlig verschieden von allen anderen Körpern, allen anderen Ichen sind, jeder ein Ganzes und Einzigartig, gibt es natürlich keinen gemeinsamen Maßstab. Nur wenn man das Einzige als Ganzes zerlegt, in Begriffe zerlegt, ist ein Vergleich erst möglich. Da wir wissen, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, ist das Teilen des Ganzen, des Ichs, eine Vergewaltigung. Diese gedankliche Teilung in Begriffe ist unsinnig, da ein unbrauchbarer Maßstab angelegt wird. Vergleiche unter Ichen sind somit genau so sinnlos wie die Feststellung dass ein Hydraulikschlauch eine größere Festigkeit aufweist als eine Ader. Genauso unsinnig und wertlos sind Vergleiche von Menschen, von Einzigen, von Ichen.
Der Mensch, Ich, kann mich nur mit mir selbst vergleichen, zum Beispiel in Bezug auf die Frage, ob die Schöpfung meiner selbst heute etwas mehr mir selbst entsprechend ist als gestern. Zum Beispiel wenn ich mir vorgenommen habe, mich weniger zu ärgern. Habe ich mich seit gestern 12 mal geärgert und heute erst 11 mal, ist es für mich ein Erfolg, über den ich mich freue. Auch diese Freude ist natürlich mit anderen Ichen zu teilen. Die Anderen können aber meinen Erfolg nicht prüfen, warum auch, wichtig ist nur, dass ich weiß, dass ich mich besser schöpfen kann. Mein Wille ist zu einer besseren Schöpfung fähig. Damit bin ich eindeutig der einzige Gott in meiner Welt, das reicht mir auch. Diese Unvergleichbarkeit geschieht durch den völlig leeren Begriff des "Einzigen", der alle Vergleiche unmöglich macht. Du bist einzig, heißt also nur Du bist Du. Ein von mir unmöglich ganz zu erfassendes Ich, welches selbst Du nur bruchstückhaft mit Worten (Begriffen) vage beschreiben kannst. Da ich selbst nur teilweise erfassen kann im steten Wandel meiner steten Neuschöpfung, ist ein Erkennen oder Erfassen des anderen Ichs völlig illusorisch. Ich bin immer allein, weil ich einzig bin. Wenn ich diese Erkenntnis zu meinem Eigentum gemacht habe, habe ich nie Angst vor dem Alleinsein.
Im Gegenteil, ich freue mich auf jede Minute, die ich ohne Ablenkung von außen mit mir selbst verbringen kann. Jede Seite, die ich neu an mir entdecke, ist spannend, darüber hinaus gehen mir diese Entdeckungsmöglichkeiten nie aus, da ich immer ein anderes Ich im steten Wandel erfahre. Erst die Freiheit von anderen Ichen, ermöglicht durch mein genussvolles Alleinsein, gibt mir die Chance, völlig offen auf andere Iche zuzugehen, ohne jede Erwartungshaltung. Keine Erwartung, keine Enttäuschung. Die nicht erfüllten Erwartungen sind die Quelle meiner Unzufriedenheit, die zum Ärger gesteigert, meine Gesundheit angreift. Sie kann sich auch noch schädlicher gegen mich selbst als Aggression gegen andere Iche richten. Das ist ziemlich scheiße!
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